Bausparvertrag mit Guthaben nach Todesfall - Erbe ausgeschlagen
Hallo,
eine etwas heikle Frage, ich bin gespannt, ob es darauf eine Antwort gibt. Der Vater ist mit 43 Jahren plötzlich verstorben, die Familie hat wegen eines offenen Darlehensvertrags das Erbe ausgeschlagen. Zum Erbe gehörte auch ein Bausparvertrag mit einem kleinen Guthaben von ca. 1000 Euro. Offen waren dagegen eine Kreditsumme von ca. 13.000 Euro und unbekannte Rechnungen in geschätzter Höhe von 3.000 Euro.
Abgesehen davon, dass sich die Gläubiger wohl normalerweise selbst um ihre Aussenstände kümmern müssten:
Die Bausparkasse fragt bei der Familie 1x pro Jahr an, ob es einen Erbschein gibt und ob der Vertrag übernommen werden soll. Offensichtlich wurde das Guthaben bisher nicht verrechnet/beansprucht von einem der Gläubiger. Was passiert mit dem Guthaben? Muss es den Gläubigern gesondert gemeldet werden? Gibt es eine Frist, nach der das Guthaben der Familie doch wieder zustehen könnte, wenn sich niemand darum kümmert? Oder sollte die Bausparkasse es einfach behalten?
Danke im Voraus für Antworten auf so eine etwas abwegige Frage aus merkwürdigen Familien-Konstellationen.
2 Antworten
Das ist nicht ganz so einfach.
Lief der Vertrag auf die Eheleute, so gehören 50% der Bausparsumme auch der Mutter. Nur 50% wären Bestandteil der Erbmasse.
Lief der Vertrag auf den Vater alleine, so kann es immer noch einen Begünstigten im Todesfall geben, der auf diesen Vertrag eingerichtet ist - z.B. die Mutter. Bei manchen Verträgen gibt es auch eine Standardregel für Ehepartner. In diesem Fall wäre der Bausparvertrag komplett überhaupt nicht Gegenstand der (ausgeschlagenen) Erbmasse und würde der begünstigten Person zustehen.
Lief der Vertrag auf den Vater alleine und wurde keine begünstigte Person im Todesfall eingerichtet, dann gilt die gesetzliche Regelung, d.h. der Bausparvertrag ist Bestandteil des ausgeschlagenen Erbes und muss zur Tilgung von Schuldenpositionen den Gläubigern überlassen werden.
Es wird nun also sinnvoll sein, die Bausparkasse über das Ausschlagen des Erbes zu informieren und die genauen Konditionen für Todesfallleistungen zu erfragen. Entsprechend ist dann weiter vorzugehen.
Ich denke, daß dies der einzige Weg ist, die Sache wirklich zu klären. Es kommt auf die beiden Punkte an: auf wen lief der Vertrag und gab es einen im Todesfall Begünstigten. Damit sollte sich auch für die Bausparkasse die Sache klären lassen. Steht Euch nichts zu, sollte das Nachlassgericht entsprechend informiert werden, damit die den Vertrag abwickeln.
Ist der Kreditgeber für die € 13.000 die Bausparkasse oder eine andere Person?
Gibt es noch die Ehefrau des Verstorbenen? Und ist die irgendwo Vertragspartei bei den angesprochenen Verträgen?
Kredit war ein Verbraucherkredit bei einer Bank. Die Ehefrau gibt's noch, die hat aber Kredit und/oder Bausparvertrag nicht abgeschlossen. Die Eheleute lebten bereits getrennt, aber ohne Scheidung. Daher waren die gegenseitigen Verhältnisse nicht immer so bekannt.
Danke für diese Auskunft. Die Bausparkasse weiss ja eigentlich, dass das Erbe ausgeschlagen wurde. Deshalb werden jetzt zunächst einmal genauere Informationen zum Vertrag eingeholt.