Heil Euch, edelste Herren und hochgeschätzte Ratsherren, die Ihr in der Stadt und über das Land weise in den Handel und in das rechte Tun des Kaufmanns erfahret seid.
Von Herzen frage ich, der ich ein geringes und ehrliches Gewerbe führe und auf Gottes Gnaden meinen Lebensunterhalt beschaffe, wie ich mit einem Geliehenen und dessen Zinsen recht verfahren solle. Ich habe ein Erbe, das mit Mühe und Fleiß gewachsen ist, und möchte einem ehrbaren Mann, der in sein Geschäft geraten ist, Geld verleihen, auf daß er durch meinen Kredit sein Werk erlangt. Doch huldige ich einer Frage, die mir des Herzens schwer auf dem Gemüt liege: Wie viel Zins ist recht und billig, daß ich nicht in die Sünde des Wuchers falle, der des Herrn Gebot zürnt?
Es ist ja bekannt, dass der Kaufmann mit Zinsen und Handel gewinnt, doch wie soll ich den Zins setzen, ohne den anderen in Armut zu treiben, noch mich in Übermaß und Maßlosigkeit zu verlieren? Wo liegt das rechte Maß, das weder den einen noch den anderen schädigt, sondern recht und wohlgefällig ist vor Gott und den ehrbaren Bürgern der Stadt?
So frage ich Euch, weise Herren, die Ihr aus Erfahrung und Klugheit das Handeln versteht, wieviel Zins ich wohl erheben möge, auf daß ich nicht verfehle in meiner Pflicht und im Wort des Herrn, und mein Geschäft dennoch recht und fruchtbar blühe.
Euer ehrlicher Kaufmann aus München, der stets auf Gottes Wohlgefallen hofft.